Tanzt, tanzt…

Du läufst die Straße entlang, und die Blicke, die dich treffen, packen dich in Schubladen.
Du bist „Frau“, du bist „Mann“, du bist „Deutsch“, du bist „Ausländer“, du bist „schwul“, du bist „lesbisch“, du bist „heterosexuell“, du bist „normal“.

Diese Kategorisierungen erfolgen bei zwischenmenschlichen Interaktionen bewusst und unbewusst. Damit einher gehen Erwartungen an und Vorstellungen von den Rollen, die dir zugewiesen werden.
Die Reaktionen auf eine entsprechende Einordnung können eine ganze Bandbreite ab-decken, von freundlichem Verhalten, über Ignorieren, bis hin zu Beschimpfungen, zu An- und Übergriffen.

Aus diesen Einordnungen folgen immer auch Macht- und Hierarchieverhältnisse. Dabei genießen diejenigen, die dem Bild der heterosexuellen, weißen Männlichkeit entsprechen, weitgehende Privilegien. Diese Verhältnisse produzieren Benachteiligungen und massive Ausschlüsse von allen, die nicht in dieses Bild passen.

Wir sind alle mit diesen Verhältnissen wie Sexismen und Rassismen tagtäglich konfrontiert und reproduzieren diese auch selbst. Sie sind Teil unserer Persönlichkeiten geworden, so dass wir uns selbst und andere kategorisieren und uns dementsprechend verhalten. Der Bruch mit der zugeschriebenen Rolle bedeutet viel zu oft, dass wir Angriffen und Gefahren ausgesetzt sind. Um uns „sicherer zu fühlen“ gehen wir dann zum Beispiel mit Kleidungsstück B anstatt Kleidungsstück A aus dem Haus und planen den längeren Heimweg um bestimmte Orte umgehen zu können. Wir überlegen dreimal, ob es jetzt „sicher“ ist, die Hand eines geliebten Menschen zu halten.
Dies alles sind Prozesse, die unseren Alltag mal mehr mal weniger bewusst strukturieren.

Wir haben diese Verhältnisse satt, wollen aus ihnen ausbrechen, sie überwinden.

Lasst uns aus der Reihe tanzen und Räume und Möglichkeiten jenseits dieser Verhältnisse schaffen.
Mit der antikapitalistischen Abenddemo am 30.4. nehmen wir uns den Raum dazu.

Bildet Banden!
Tanzt aus der Reihe!

Mehr Infos: le-monde.tk


2 Antworten auf “Tanzt, tanzt…”


  1. 1 aka_muc 13. April 2011 um 11:01 Uhr

    Nach außen gibt sich München als „Weltstadt mit Herz“. Die Fußgängerzone und der Marienplatz als Aushängeschilder präsentieren sich als Shoppingparadies, in dem niemand Angst um seine Handtasche haben muss und in der sich um Ordnung und Sauberkeit stets bemüht wird. Selbst die Straßenmusiker_innen werden gecastet und den Latte Macchiato für 5 Euro in den Cafés scheint sich hier jede­_r leisten zu können.

    „Weltstadt mit Herz?“ -
    „Revolution heißt manchmal, Herzen brechen zu müssen!“

    Um an diesem Schauspiel teilnehmen zu können, müssen wir unsere Arbeitskraft täglich verkaufen und uns der kapitalistischen Verwertungslogik unterwerfen.
    Wieviel unsere Arbeitskraft wert ist, entscheidet auch unser Pass, unser Geschlecht und rassistische Zuschreibungen. Leben im Kapitalismus bedeutet für jeden Menschen, dass die eigene Existenz von Arbeit bestimmt ist, das gilt sowohl für die Manager_in als auch für Straßenkehrer_in.
    Lebensqualität bedeutet im Kapitalismus über ausreichend Wohlstand zu verfügen, um die jeweiligen Bedürfnisse befriedigen zu können. Für die, die es sich leisten können und sich an die Regeln halten, wird die Stadt zum Abenteuerspielplatz, wo nur die Dinge Platz finden, die sich verwerten lassen, und zahlungsunfähiges Publikum nicht willkommen ist.
    Durch Sicherheitsdienste, Alkoholverbote in der Öffentlichkeit, Musik in den U-Bahnhöfen1, Überwachungskameras an allen Ecken und rassistische Kontrollen wird die Sauberkeit, die Ordnung und der reibungslose Ablauf des normierten Alltags geschützt. Alles was nicht in das (ästhetische) Bild einer wohlhabenden, sauberen Weltstadt passt oder nicht passen will, wird verdrängt.
    Für viele Menschen ist die Stadt Schauplatz des täglichen Kampfes um die eigene Existenz. Auch in München sind Menschen von Obdachlosigkeit und Armut betroffen. Der Ausschluss von Unerwünschten verschärft sich bei prestigeträchtigen Großprojekten wie beispielsweise Olympia 2018. Selbstbestimmte Kunst und Kultur haben es schwer, sich gegen diese Logik zu behaupten und haben die Wahl, sich einzuordnen oder abdrängen zu lassen.

    Tanzt, tanzt, vor allem aus der Reihe!

    Wir haben keine Lust zu feiern, dass wir Jahrzehnte unseres Lebens unter mehr oder weniger schlechten Bedingungen schuften müssen und gezwungen werden, uns von klein auf in diese Verwertungs-logik einzugliedern. Wir tanzen trotzdem aus der Reihe, wo wir nur können. Sei es beim Schwarzfahren in der U-Bahn, beim Blaumachen in Arbeit und Schule, beim Containern und Klauen, bei der Verteidigung selbstverwalteter Freiräume und Kultur. Wir wollen uns von niemandem und nirgendwo in Spaliere, Normen und Hufeisen2 pressen lassen. Wir tanzen aus der Reihe bis alle tanzen!!!

    Stadt für alle!! Alles für alle!!
    Le monde est a nous!!

    aka_muc

    1ständige klassische Musik, die dafür sorgen soll, dass Menschen sich nicht länger als bis zur Ankunft der nächsten U-Bahn am Bahnsteig aufhalten oder dort schlafen

    2Extremismustheorie die linke Inhalte mit rechter Ideologie gleichsetzt

  2. 2 Schlamassel Muc 13. April 2011 um 13:03 Uhr

    Der 30. April ist btw. – vor allem anderen – der Tag der Befreiung Münchens, bzw. die Befreiung der Welt von München – durch die US-Armee. Insofern stimmt das Motto: Tanzt, tanzt.

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