Archiv für Februar 2011

Still ♥‘ing Feminism

Still loving Feminism

8. MÄRZ /// 20 UHR /// KAFE MARAT
KAFE+FILM ZUM INTERNATIONALEN FRAUENKAMPFTAG

12. MÄRZ /// 10.20 UHR /// HBF MÜNCHEN (GROSSE ANZEIGETAFEL)
ZUGTREFFPUNKT ZUR KÄMPFERISCHEN DEMONSTRATION ZUM FRAUENKAMPFTAG (NBG)
 

Still ♥‘ing Feminism

 
Der 8. März ist ein Ausdruck der Verbundenheit und Solidarität mit den Frauen auf der ganzen Welt, die an diesem Tag demonstrieren, feiern, streiken, sabotieren, tanzen.
Deshalb rufen wir dazu auf, am 12. März in Nürnberg gegen ein reaktionäres Frauenbild, gegen sexistische und sexualisierte Gewalt, gegen wirtschaftliche und gesellschaftliche Diskriminierung, für einen freien Zugang zu Abtreibungen und für Selbstbestimmung auf allen Ebenen zu demonstrieren.

Bis dahin und noch weiter.

Mit patriarchalen und sexistischen Unterdrückungsverhältnissen sind wir immer und überall konfrontiert. Sie basieren auf der sozialen Konstruktion von zwei Geschlechtern und der daraus folgenden hierarchischen Kategorisierung von Menschen. Damit einher gehen entsprechende Rollenerwartungen an die Geschlechter, die sich gegenseitig begehren sollen und in der gesellschaftlichen Arbeitsteilung bestimmte Aufgaben zu erfüllen haben.
Dabei genießen diejenigen, die dem Bild der heterosexuellen, weißen Männlichkeit entsprechen, weitgehende Privilegien. Diese Verhältnisse produzieren Benachteiligungen und massive Ausschlüsse von allen, die nicht in dieses Bild passen.
Gegen diese Verhältnisse, die unsere Arbeit, unsere Beziehungen, unser Leben strukturieren, kämpfen wir solidarisch mit FrauenLesbenQueers, Flüchtlingen und Migrant_innen und allen emanzipatorischen Bewegungen für ein selbstbestimmtes Leben.

Jeder Tag ist Frauenkampftag!
Immer und überall!

 

Repression nach 1000-Kreuze-Marsch

In den letzten Tagen haben mehrere Menschen Post von der Staatsanwaltschaft bekommen im Bezug auf Aktionen gegen den 1000-Kreuze-Marsch im vergangenen Oktober.
Zum Teil wurde den Menschen mitgeteilt, dass ein Verfahren gegen sie eingestellt wurde, aber es haben auch mehrere Menschen Strafbefehle oder Anklageschriften erhalten.

Wenn ihr auch so einen Strafbefehl bekommen habt, legt am besten sofort (ihr habt nach Einwurf 14 Tage Zeit) Widerspruch dagegen ein. Wie ihr das macht, könnt ihr bei der Roten Hilfe lesen.

Am Dienstag, 1. März gibt es um 20 Uhr im Kafe Marat ein Treffen für Betroffene von Repressionsmaßnahmen beim 1000-Kreuze Marsch.
Dort wollen wir gemeinsam darüber sprechen und über ein gemeinsames Vorgehen diskutieren.

An dieser Stelle dann auch nochmal der passende Hinweis auf die Antirepressionswoche ab dem 13. März.

Mehr als nur ein Nebensatz.

Warum es keine emanzipatorische Antikriegspolitik ohne Antisexismus geben kann

Mit diesem Text möchten wir auf eine Thematik aufmerksam machen, die in antimilitaristischen Zusammenhängen selten Platz findet. Auch in der Mobilisierung gegen die NATO- Sicherheitskonferenz in München spielen antisexistische und feministische Aspekte nur in Nebensätzen eine Rolle.

Für uns bedeutet emanzipatorische Antikriegspolitik immer auch, die vorherrschende Geschlechterordnung und patriarchale Strukturen mit einzubeziehen und anzugreifen.
Kriegsmobilisierung, Drill und militärisches Selbstverständnis funktionieren nur mit dem Rückgriff auf strenge Hierarchien und eine Rollenzuweisung in ein Oben und Unten. Durch die Militarisierung einer Gesellschaft wird so die bipolare Geschlechterhierarchie verstärkt. Männern* zugeschriebene Eigenschaften wie Härte, Disziplin und Autorität sind im Militär institutionalisiert.

Verstöße gegen die heteronormative Ordnung und „weiblich“ besetzte Eigenschaften, wie etwa reproduktive Fähigkeiten und Emotionalität, werden als „zersetzend“ betrachtet. Beispielsweise wurde es in Teilen der US-Armee bis vor einem Jahr unter Strafe gestellt, schwanger zu werden. Auch ist es international kaum möglich, dass sich homosexuelle Soldaten* outen, ohne mit negativen Sanktionen durch die „Kameraden“* oder durch das Gesetz rechnen zu müssen.
Angesichts dieser Aspekte erscheint es umso absurder, dass zur Legitimation von Kriegseinsätzen das Militär als „heldenhafter Befreier“ unterdrückter Frauen* dargestellt wird, wie beispielsweise im Krieg in Afghanistan. Die Situation der dort lebenden Frauen* war schon Jahre vorher bekannt.

Krieg bedeutet für die meisten Frauen* keineswegs Befreiung, sondern massive Existenznöte, Flucht, menschliche Verluste und die Bedrohung, Betroffene von sexualisierten Übergriffen und Vergewaltigungen zu werden.
In Kriegs- und Nachkriegszeiten nehmen sexualisierte Folter, Übergriffe und Vergewaltigungen in den betroffenen Regionen stark zu. Sie sind ein zentraler und besonders grausamer Bestandteil von Kriegsführung. Dabei geht es nie um Sexualität, sondern um Macht, Unterdrückung und Herrschaft. Sexualisierte Gewalt kann Bestandteil eines systematischen und kalkulierten Vorgehens sein, um die Mitglieder einer Gemeinschaft zu erniedrigen, Macht über sie auszuüben, sie einzuschüchtern und psychisch zu zerstören.
Auch nach dem Krieg sind in den betroffenen Regionen die Zahl sexualisierter Übergriffe und Vergewaltigungen häufig weitaus höher, als zu Friedenszeiten. Sie können grausames Mittel sein, eine für den Täter* als verloren empfundene patriarchale Ordnung wiederherzustellen, begünstigt durch das Ausbleiben strafrechtlicher Konsequenzen. Dabei geht es nicht um den tatsächlichen Verlust des Patriarchats, sondern darum, nach einer persönlichen Entmachtung und Erniedrigung ein Gefühl von Macht gewaltsam wiederzuerlangen.
Die Folgen für betroffene Frauen* sind nicht nur physische und psychische Verletzungen, sondern auch gesellschaftliche Stigmatisierung und Ausschluss aus ihren Familienverbänden.

Nach internationalem Kriegsrecht galten bis vor einigen Jahren Vergewaltigungen scheinbar als hinzunehmende Kollateralschäden. Erst 2008 definierte die UNO sexualisierte Gewalt als „Kriegstaktik“ und klassifizierte diese als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.

Diese Aspekte sind ein Grund, warum es keine „antisexistischen Kriegseinsätze“ geben kann. Wenn Kriege unter dem Vorwand der Frauenbefreiung geführt werden, werden Frauen* zu Objekten militärischer Strategie, auf deren Rücken andere Kämpfe ausgefochten werden.
Antipatriarchale und antimilitaristische Kämpfe sind für uns eng miteinander verbunden, da sich patriarchale Herrschaft und Militär gegenseitig ergänzen, festigen und unterstützen. Deshalb solidarisieren wir uns mit emanzipatorischen Bewegungen und den Leidtragenden von Kriegen. Solidarisierung mit Staaten und Gruppierungen, die als Träger patriarchaler, nationalistischer, und militaristischer Logik fungieren, lehnen wir ab.

Fight sexism! Fight war!

München, Februar 2011

aka_muc
asab_m (Antisexistisches Aktionsbündnis München)

* Wir benutzen die Begriffe „Frauen“ und „Männer“ im Bewusstsein, dass Geschlechter sozial konstruiert sind. Wir verwenden hier diese Kategorien, um die bestehenden Geschlechter- und Machtverhältnisse nicht zu verschleiern. Der Fokus dieses Flyers ist auf die spezifische Situation von Frauen* ausgerichtet, deshalb möchten wir darauf hinweisen, dass auch Männer* betroffen von sexualisierter Kriegsgewalt sind.

Zum weiterlesen:
Redebeitrag des AK Antisexismus zur SiKo 2009