Redebeitrag der antifa nt

Für uns bedeutet autonome Antifapolitik weit mehr als nur gegen Nazis sein. Wir sehen sie als Teil eines viel weiter gefassten Kampfes um Emanzipation. Linke Politik muss sich gegen alle Formen von Unterdrückung und Ausbeutung, wie etwa das Klassenverhältnis, Rassismus, Antisemitismus und Sexismus gleichermaßen richten.

Sexismus bedeutet die Einteilung von Menschen in zwei unterschiedliche Geschlechtergruppen. Menschen sollen demnach entweder Frauen oder Männer sein, wobei beiden je eine Reihe von Fähigkeiten und Eigenschaften zu bzw. abgesprochen werden.
Hierbei erscheinen die als „weiblich“ konstruierten Geschlechterrollen stets als Gegenpol zu den „männlichen“ und umgekehrt. Beispielsweise sollen in diesem System „Männer“ rational, stark und aktiv sein, während „Frauen“ als intuitiv und gefühlsvoll, schwach und passiv gelten.
Auch räumlich macht sich diese Trennung bemerkbar:
„Frauen“ sollen tendenziell zu Hause bleiben, sich um Hausarbeit, Kinder und deren Erziehung kümmern, wohingegen „Männer“ lohnarbeiten und sich um die Belange der Welt ausserhalb des Hauses kümmern sollen. Diese Einteilung geschieht keineswegs zufällig.
Die Zuschreibung bestimmer Merkmale zu einem Geschlecht beinhaltet zwangsläufig Wertungen, die im Unterdrückungsverhältnis Patriarchat, der Unterdrückung von „Frauen“ durch „Männer“ mündet.

Macht in Gesellschaft erfordern von denjenigen, die sie ausüben bestimmte Rolleneigenschaften, die meist als „männliche“ gelten. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die meisten dieser Herrschaftspositionen von „Männern“ besetzt sind.

In diesem Gesellschaftssystem gibt es, wie gesagt, nur zwei gültige soziale Geschlechter, die gender.
Menschen werden nicht einfach als „Frauen“ oder „Männer“ geboren, es ist eine gesellschaftliche Zurichtung, die sie dazu macht. Geschlechtlichkeit beinhaltet hierbei die Einheit von „biologischem Geschlecht“, gender und der je auf das „andere“ Geschlecht gerichteten sexuellen Orientierung. Also: „Biologische Männer und Frauen“ sollen diese und jene Eigenschaften und haben und auch noch gegenseitig aufeinander stehen. Dieses System, die Heteronormativität, lässt keinen Platz für Menschen, die nicht in dieses Raster passen oder passen wollen, wie z.B. Homo- oder Bisexuelle, Transgender, Trans- oder Intersexuelle, queers und andere. Sie gelten als „unnormal“ und werden ausgegrenzt, angefeindet und angegriffen. Wenn wir von Antisexismus sprechen, dann meinen wir damit den Kampf gegen Patriarchat und Heteronormativität.

Herrschaft wird im Kapitalismus in vielfältiger Weise konstruiert. Es gibt eine Vielzahl von Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Unterdrückungsmechanismen.
So ist von „Frauen“ verrichtete Arbeit meist weniger anerkannt und wird schlechter entlohnt als die von „männlichen“ Kollegen. Häusliche Reproduktionsarbeit, die in den allermeisten Fällen noch immer „Frauenarbeit“ ist, wird fast nie bezahlt.

Auch eine Vielzahl rassistischer Konstruktionen funktioniert im Zusammenspiel mit sexistischen Vorstellungen und Zuschreibungen. So funktioniert besipielsweise die rassistische Vorstellung des ausschweifenden, unkontollierten Sexualverhaltens „schwarzer“ Menschen nur in Bezug auf das Ideal der männlich-dominierten, triebunterdrückenden, auf Penetration und Fortpflanzung zentrierten Sexualität des „weißen“ bürgerlichen Patriarchats. In dieser Vorstellung fallen die Bestätigung der eigenen patriarchal-bürgerlichen Sexualität in Abgrenzung gegen ihr konstruiertes Anderes und ein vermeintlicher Legitimationsgrund rassistischer Unterdrückung, wie etwa im Kolonialismus, in Eins.
Ähnliches geschieht auch bei Vorstellungen, wie etwa der des „verweiblichten Juden“, der sich der körperlichen, „schaffenden“ Arbeit entziehe, des „Südländers, der einem die Frauen ausspanne“ oder der Thailänderin, die als so unterwürfig gilt, dass es vielen als „normal“ erscheint, diese selbst im Katalog bestellen zu können.

Das alles führt zu einer Stabilisierung von Herrschaft, die stets nach dem Prinzip „teile und herrsche“ aufgebaut ist. Herrschaft wird immer nach zwei Seiten hin konstruiert, in Form von Dominanz und Subdominanz. Gesellschaft als Konzeption und soziale Praxis sind von Menschen gemachte, keine wie auch immer geratene „natürlichen“ Verhältnisse (auch wenn sie oft als solche erscheinen) und als solche folglich auch von Menschen veränderbar.

Es gilt die verschiedenen Verknüpfungen und konzeptionellen Ähnlichkeiten von Unterdrückungsmechanismen aufzuzeigen und gemeinsam zu bekämpfen. Bei der Kritik der bestehenden Verhältnisse gilt es auch immer wieder die eigene Position, das eigene Denken und Handeln mitzureflektieren.

Befreiung ist nicht teilbar – Für die klassenlose, befreite Gesellschaft!